Gedanken zu Lösungen

Tripolis

Natürlich sollte man, wenn man genügend Punkte aufgezählt hat, die nicht so wirklich funktionieren, auch mal einige Gedanken in den Raum werfen, was denn eventuell funktionieren könnte. Und wie der Zufall es so will, fiel mir eine Ausgabe vom „Grünen Buch“ von Muammar al-Gaddafi in die Hand. Dieser war ja bekannterweise mal das umstrittene Staatsoberhaupt von Libyen. Eigentlich war mir dieses Buch nur vom Titel bekannt, da es einen riesigen Skandal gegeben hatte, weil der Eishockey-Club von Iserlohn in einem Spiel Werbung für dieses Buch gemacht hat.

Was war da passiert? Der besagte Eishockey-Club ECD (Eissportclub Deilinghofen) war durch Steuerhinterziehung seitens des Vereinsvorstandes in arge finanzielle Bedrängnis geraten und hatte einen Sponsorenvertrag von Gaddafi für dessen „Grünes Buch“ bekommen. Und so lief der ECD am 4.12.1986 das erste und das letzte Mal im grünen Trikot auf, und erntete sofort einen riesigen Shitstorm. Zu dem Zeitpunkt wurde überall in der westlichen Welt ein Bild von Gaddafi als übelstem Tyrannen und Förderer von Terror gezeichnet, unter anderem wurde ihm die Urheberschaft eines Anschlags auf eine Diskothek in Berlin unterstellt, bei der zwei US-Soldaten starben und 250 Menschen schwer verletzt wurden. (Der Beweis für die Anstiftung zu dieser Tat wurde im Übrigen nie geliefert).

Auf jeden Fall hat sich dann auch der Vereinsvorstand von dem Buch distanziert, es stände ja doch nur Blödsinn drin, und der Verein ging dann in die Insolvenz.

Nun, für die westliche Welt war (und ist teilweise heute noch) Gaddafi ein ganz schlimmer Mensch, und so wurde dieses Buch auch kaum gelesen.

Wenn man sich allerdings die Mühe macht, und es einmal liest, dann wird schnell klar, dass Gaddafi nicht der irrsinnige Spinner war, als der er uns verkauft wird.

Natürlich sollte man bei der Lektüre dieses Buches im Hinterkopf behalten, welche Struktur das Land hatte, trotzdem lassen sich viele Aussagen übertragen und sind zumindest eine Überlegung wert.

Zitat:

Das Instrument des Regierens ist das wichtigste politische Problem, mit dem menschliche Gemeinschaften konfrontiert sind. Sogar Konflikte innerhalb der Familie sind oft ein Resultat dieses Problems.

Seit dem Entstehen der modernen Gesellschaften ist dieses Problem ein sehr ernstes geworden. Völker sehen sich heutzutage mit diesem hartnäckigen Problem konfrontiert, und Gemeinschaften leiden unter den verschiedenen Risiken und schwerwiegenden Konsequenzen, zu denen es führt. Es ist ihnen noch nicht gelungen, es endgültig und auf demokratische Weise zu lösen.

DAS GRÜNE BUCH stellt die endgültige Lösung des Problems des Instruments des Regierens vor.

Alle politischen Systeme in der heutigen Welt sind das Produkt des Kampfes um die Macht zwischen den Instrumenten des Regierens. Der Kampf kann friedlich oder bewaffnet sein, so wie der Klassenkampf, der Kampf der Sekten, Stämme, Parteien und der Einzelnen. Das Ergebnis ist immer der Sieg eines Instruments des Regierens, sei es ein Individuum, eine Gruppe, eine Partei oder eine Klasse, und die Niederlage des Volkes, d.h. die Niederlage der echten Demokratie.

Der politische Kampf, dessen Ergebnis der Sieg eines Kandidaten mit 51 Prozent der Stimmen ist, führt zu einem diktatorischen Regierungsorgan in der Verkleidung einer falschen Demokratie, weil 49 Prozent der Wähler von einem Instrument des Regierens beherrscht werden, für das sie nicht gestimmt haben, sondern das ihnen aufoktroyiert wurde. Das ist Diktatur. Außerdem kann dieser politische Konflikt ein Regierungsorgan hervorbringen, das nur eine Minderheit repräsentiert, denn wenn die Stimmen auf mehrere Kandidaten verteilt werden, erhält einer dieser Kandidaten mehr Stimmen als jeder andere. Wenn aber die Stimmen von denen, die weniger erhalten haben, addiert werden, können sie eine überwältigende Mehrheit darstellen. Doch der Kandidat mit weniger Stimmen ist der Sieger, und sein Erfolg gilt als legitim und demokratisch!

Tatsächlich wird unter dem Deckmantel einer falschen Demokratie eine Diktatur etabliert. Das ist die Realität der politischen Systeme, die heute in der Welt vorherrschend sind. Es sind diktatorische Systeme, und es dürfte offensichtlich sein, dass sie die echte Demokratie verfälschen.

Parlamente

Parlamente sind das Rückgrat der traditionellen Demokratie so wie sie heutzutage existiert. Ein Parlament ist etwas ganz anderes als das Volk, das es angeblich repräsentiert, und parlamentarische Regierungen sind eine in die Irre führende Lösung des Problems der Demokratie. Ein Parlament wird ursprünglich eingerichtet, um das Volk zu vertreten, aber das ist in sich undemokratisch, weil Demokratie die Autorität des Volkes bedeutet und nicht eine an seiner Stelle handelnde Autorität. Die bloße Existenz eines Parlaments ist gleichbedeutend mit dem Fehlen des Volkes, aber eine wahre Demokratie existiert nur durch die Mitwirkung des Volkes, nicht durch die Aktivitäten seiner Repräsentanten. Parlamente sind eine legale Barriere zwischen den Völkern und der Wahrnehmung ihrer Autorität, sie schließen die Massen von der Macht aus, während sie an ihrer Stelle die Oberhoheit usurpieren. Den Völkern bleibt nur der falsche äußere Anschein der Demokratie, der sich in den langen Schlangen derer manifestiert, die anstehen, um ihre Stimmen in die Wahlurnen zu werfen.
Keine Vertretung anstelle des Volkes. Vertretung ist eine Verweigerung des Rechts auf Mitwirkung. Vertretung ist eine Verfälschung der Demokratie.

Um das Wesen des Parlaments bloßzulegen, müssen wir den Ursprung eines solchen Parlaments betrachten. Das Parlament wird entweder von Wahlkreisen bestimmt oder von einer Partei oder von einer Parteienkoalition, oder es wird durch irgendeine Form von Ernennung gebildet. Aber alle diese Prozeduren sind undemokratisch, denn ein Einteilen der Bevölkerung in Wahlkreise bedeutet, dass ein Parlamentsabgeordneter Tausende, Hunderttausende oder Millionen von Menschen repräsentiert, je nachdem, wie groß die Bevölkerung ist. Es bedeutet auch, dass der Abgeordnete keine organisatorische Verbindung zu seinen Wählern hält, weil er, wie andere Abgeordnete auch, als Repräsentant des ganzen Volkes gilt. Das ist das, was die vorherrschende traditionelle Demokratie erfordert. Die Massen sind daher völlig isoliert von ihrem Repräsentanten, und er ist seinerseits vollkommen von ihnen getrennt. Denn unmittelbar nachdem er ihre Stimmen gewonnen hat, usurpiert er die Souveränität des Volkes und handelt an seiner Stelle. Die vorherrschende traditionelle Demokratie stattet den Parlamentsabgeordneten mit einer Heiligkeit und einer Immunität aus, die anderen einzelnen Angehörigen des Volkes verwehrt bleiben. Das bedeutet, dass die Parlamente ein Mittel zum Ausplündern und zum Usurpieren der Autorität des Volkes geworden sind. Deshalb haben die Menschen das Recht zu kämpfen und durch die Volksrevolution jene Instrumente zu zerstören, welche die Demokratie und die Souveränität usurpieren und diese den Massen wegnehmen. Sie haben auch das Recht, das neue Prinzip auszusprechen:

Keine Vertretung anstelle des Volkes.

Wenn jedoch das Parlament aus einer Partei hervorgeht, als Resultat eines Wahlsieges, ist es ein Parlament der Partei und nicht des Volkes. Es repräsentiert die Partei und nicht das Volk, und die ausführende Gewalt, die vom Parlament zugewiesen wird, ist die der siegreichen Partei und nicht die des Volkes. Dasselbe gilt für das Parlament, in dem jede Partei eine gewisse Anzahl der Sitze innehat. Denn die Parlamentsabgeordneten repräsentieren ihre Partei und nicht das Volk, und die durch eine solche Koalition etablierte Macht ist die Macht der miteinander verbundenen Parteien und nicht die des Volkes. Unter solchen Systemen sind die Menschen die Opfer, werden sie durch die politischen Organe zum Narren gemacht und ausgebeutet. Die Menschen stehen schweigend und in langen Schlangen dafür an, ihre Stimmzettel in die Wahlurnen zu werfen, genauso wie sie anderes Papier in die Mülltonne werfen. Das ist die traditionelle Demokratie, die auf der ganzen Welt vorherrscht, unabhängig davon, ob es ein Einparteiensystem gibt, ein Zwei- oder Vielparteiensystem oder gar kein Parteiensystem. Auf diese Weise wird deutlich: die Volksvertretung ist ein Schwindel.

Versammlungen, die durch Ernennung oder durch Erbfolge gebildet werden, fallen nicht in irgendeine Kategorie von Demokratie. Darüber hinaus ist das System der gewählten Parlamente im wahrsten Sinne des Wortes ein demagogisches System, weil es auf Propaganda beruht, mit der Stimmen gewonnen werden sollen; zudem können Stimmen gekauft und Wahlzettel gefälscht werden. Arme Menschen sind in Wahlkämpfen nicht konkurrenzfähig, und es sind immer die Reichen - und ausschließlich die Reichen -, die am Ende siegreich sind.

Philosophen, Denker und Schriftsteller sprachen sich zu einer Zeit für die Theorie der repräsentativen Regierung aus, als Könige, Sultane und Eroberer die Völker, ohne dass diese sich dessen bewusstgeworden wären, wie Schafe vor sich hertrieben. Die größte Hoffnung der in diesen Zeiten lebenden Menschen war die, jemanden zu haben, der sie gegenüber solchen Herrschern repräsentierte. Sogar diese Hoffnung wurde zunichtegemacht. Die Völker mussten lange und erbittert geführte Kämpfe bestehen, um zu erreichen, wonach sie strebten. Nach der erfolgreichen Etablierung des Zeitalters der Republiken und dem Beginn des Zeitalters der Massen ergibt es keinen Sinn, dass mit Demokratie das Wählen einiger weniger Repräsentanten gemeint sein soll, die dann stellvertretend für die große Menge handeln. Das ist eine veraltete Theorie, die nichts mit der heutigen Erfahrung zu tun hat. Die ganze Autorität muss vom Volk ausgehen. Die tyrannischsten Diktaturen, die die Welt erlebt hat, haben im Schatten der Parlamente existiert. Das Parteiensystem tötet die Demokratie. Wer eine Partei gründet, spaltet die Gesellschaft.“

Ebenso sprach sich Gaddafi gegen Parteien aus, denn diese repräsentieren ja nur wenige:

Die Partei ist die Diktatur von heute. Sie ist das moderne diktatorische Instrument des Regierens. Mit einer Partei herrscht ein Teil über das Ganze. Sie ist das jüngste diktatorische Instrument. Da die Partei nicht individuell ist, praktiziert sie eine vorgetäuschte Demokratie, indem sie Parlamente und Ausschüsse einrichtet und indem ihre Mitglieder Propaganda betreiben. Die Partei ist ganz und gar kein demokratisches Instrument, weil sie aus Leuten zusammengesetzt ist, die gemeinsame Interessen haben, eine gemeinsame Sicht der Dinge oder eine gemeinsame Kultur; oder aus Leuten, die aus derselben Gegend kommen oder denselben Glauben haben. Sie bilden eine Partei, um ihre Zwecke zu erreichen, anderen ihre Ansichten aufzuzwängen oder den Einfluss ihres Glaubens auf die Gesellschaft insgesamt auszudehnen. Das Ziel einer Partei ist es, unter dem Vorwand, ihr Programm zu verwirklichen, Macht zu gewinnen. Und doch sollte, aus demokratischer Sicht, wegen der Vielfalt der Interessen, Ideen, Temperamente, Gegenden und Glaubensrichtungen, welche die Identität eines Volkes ausmachen, keine dieser Parteien das gesamte Volk regieren.“

Die Oppositionspartei muss das regierende Organ von der Macht verdrängen, um selbst Zugang zur Staatsgewalt zu bekommen. Um die Unfähigkeit des bisherigen Instruments des Regierens zu beweisen, muss die Oppositionspartei dessen Errungenschaften zerstören und seine Pläne in Zweifel ziehen, auch wenn diese Pläne für die Gesellschaft von Vorteil sind. Folglich werden die Interessen und die Programme der Gesellschaft zu Opfern des Machtkampfs der Parteien. Ein solcher Kampf ist deshalb politisch, gesellschaftlich und ökonomisch destruktiv und trotz der Tatsache, dass er politische Aktivitäten hervorbringt, schädlich für die Gesellschaft. Außerdem führt der Kampf nur zum Sieg eines anderen Instruments des Regierens, d.h. zum Niedergang einer Partei und zum Aufstieg einer anderen. Für das Volk ist das aber eine Niederlage, und es ist eine Niederlage für die Demokratie. Darüber hinaus können Parteien gekauft oder bestochen werden, entweder von innen oder von außen.“

„Ursprünglich wird die Partei gebildet, um das Volk zu repräsentieren. Dann vertritt die führende Gruppe innerhalb der Partei ihre Mitglieder und der oberste Führer der Partei vertritt die führende Gruppe. Es wird klar, dass das Parteienspiel eine betrügerische Farce ist, basierend auf einer Form von vorgetäuschter Demokratie mit einem eigennützigen Inhalt, der auf Manövern, Tricks und politischen Spielereien beruht. Das alles unterstreicht, dass das Parteiensystem ein diktatorisches, wenn auch ein modernes Instrument ist. Das Parteiensystem ist eine unverhohlene, keine versteckte Diktatur.“

Da wir nun wissen, was Gaddafi ablehnte, ist die Frage von Bedeutung, was er denn als Lösung gesehen hat.

Er sprach sich aus für die Gründung von Volkskongressen und Volkskomitees, die sich einmal jährlich treffen und dann ihre Entwürfe erarbeiten. Diesen Volksversammlungen könnte jeder Bürger der entsprechenden Verwaltungseinheit beiwohnen und sich aktiv einbringen. Die Ergebnisse dieser Volksversammlungen werden von den jeweiligen Vorsitzenden aufgenommen und in der Nationalversammlung vorgetragen, ohne dass diese Vorsitzenden ihre eigene Meinung einbringen sollen. Sie sollen lediglich die Mehrheitsbeschlüsse an die Sekretariate des „Allgemeinen Volkskongresses“ übermitteln. Nachdem diese die Themen begutachtet haben, werden Vorlagen definiert, die den Volksversammlungen erneut vorgelegt werden und nur, wenn diese damit einverstanden sind, können diese Vorlagen als Gesetze verabschiedet werden.

Dadurch wird Repräsentation, wie sie für gewöhnlich in konstitutionell-demokratischen Systemen über „freie Wahlen“ praktiziert und vor allem aber legitimiert wird, durch eine „imperative Delegierung“ ersetzt – die Delegierten verleihen den Wünschen und Vorstellungen der Menschen (d.h. ihrer Wähler) Ausdruck, ohne dabei persönliche Meinungen und Einstellungen einfließen zu lassen. Die Wahl der Abgesandten erfolgt durch die „Volksmassen“ nicht in einem geheimen Verfahren, sondern es wird „solange diskutiert, bis eine Einigung erzielt wird.

Diese neue Theorie basiert auf der Autorität des Volkes, ohne dessen Vertretung und ohne Abgeordnete. Sie verwirklicht die direkte Demokratie auf geordnete und effektive Weise. Sie unterscheidet sich von dem früheren Versuch, eine direkte Demokratie zu etablieren, der sich nicht praktisch umsetzen ließ und der frivol war, weil ihm eine Organisation des Volkes auf den unteren Ebenen fehlte.“

Laut Gaddafi führt die bisherige Form der Demokratie zum Abschneiden des Volkes von politischen Aktivitäten sowie zum Plündern der Souveränität des Volkes und zur Übernahme seiner Autorität durch die aufeinander folgenden und miteinander in Widerstreit liegenden Instrumente des Regierens.

Die direkte Demokratie ist die einzig wahre Form von Demokratie und diese ist nach diesen Überlegungen nur durch die Volkskongresse zu erreichen.

Das Gesetz der Gesellschaft

Das natürliche Gesetz einer jeden Gesellschaft ist entweder die Tradition (Sitten und Gebräuche) oder die Religion. Jeder andere Versuch, für irgendeine Gesellschaft ein Gesetz zu formulieren, außerhalb dieser beiden Quellen, ist unzulässig und unlogisch. Verfassungen sind nicht das Gesetz der Gesellschaft. Eine Verfassung ist ein grundlegendes, vom Menschen gemachtes Gesetz. Dieses grundlegende, vom Menschen gemachte Gesetz sollte eine Quelle haben, aus der es seine Rechtfertigung bezieht. Das Problem der Freiheit im modernen Zeitalter besteht darin, dass Verfassungen zum Gesetz der Gesellschaft geworden sind, und Verfassungen basieren auf nichts anderem als den Ansichten der Instrumente der diktatorischen, in der Welt dominierenden Herrschaft, die vom Individuum bis zur Partei reicht. Der Beweis dafür ist, dass es Unterschiede zwischen den Verfassungen gibt, obwohl die Freiheit des Menschen überall dieselbe ist.“

Irreführend an dieser Beschreibung könnte uns der Begriff der Religionen anmuten, und hier muss man einfach die Besonderheiten der arabischen Welt zugrunde legen, hier hat die Religion ja bekanntermaßen einen recht hohen Einfluss auf die Gesellschaft. Anders herum heißt Religion in seiner ursprünglichen Bedeutung ja auch nur Rückbindung, und hier können wir unabhängig von organisierten Religionen einfach die dem Kulturkreis zugrundeliegende Moralvorstellung nehmen.

Wir erleben daher auch, dass Verfassungen üblicherweise geändert werden, wenn die Instrumente des Regierens wechseln. Das beweist, dass die Verfassung das Produkt des Temperaments der Instrumente des Regierens ist und dafür existiert, ihren Interessen zu dienen. Sie ist kein Naturgesetz. Das ist die drohende Gefahr für die Freiheit, die überall dort latent vorhanden ist, wo es das echte Gesetz der menschlichen Gesellschaft nicht mehr gibt und wo vom Menschen gemachte, vom Instrument des Regierens zum Zweck der Herrschaft über die Massen entworfene Gesetze an seine Stelle treten. Richtig wäre es, wenn die Methode des Regierens im Einklang mit den Gesetzen der Gesellschaft stünde und nicht umgekehrt. Deshalb ist das Gesetz der Gesellschaft nicht der Gegenstand von Entwürfen, Ausformulierungen und Kodifizierungen. Die Bedeutung des Gesetzes liegt in der Tatsache begründet, dass es der entscheidende Faktor ist, der zwischen wahr und unwahr, zwischen richtig und falsch unterscheidet, sowie zwischen den Rechten und den Pflichten des Einzelnen. Die Freiheit ist bedroht, wenn die Gesellschaft kein heiliges Gesetz hat, das auf stabilen Regeln beruht, die nicht in Gefahr sind, durch irgendein Instrument des Regierens geändert oder ersetzt zu werden.“

Die Lösung des wirtschaftlichen Problems – der Sozialismus
Im zweiten Teil seiner Bücher behandelt Gaddafi den „Antagonismus“ zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, der durch die bisher gesetzten Maßnahmen und Regelungen nicht gelöst werden konnte, weil sie sich vorrangig auf die Frage der Löhne konzentrierten und das „eigentliche Problem“ nicht an der Wurzel packten. Damit wurden „nicht nur die bisherigen wirtschaftlichen und sozialen Reformen in den traditionellen Wirtschaftssystemen, sondern auch die sozialistischen ‚Errungenschaften’ der Septemberrevolution bis 1977 als unzureichend“ eingestuft. Das „wirtschaftliche Problem“ könne einzig durch die Abschaffung des Lohnsystems gelöst werden. Getreu dem Motto „Der, der produziert, ist derjenige, der konsumiert“, bleiben Arbeiter, unabhängig ob von einem Individuum oder vom Staat bezahlt, „Lohnsklaven“. Dabei ist die Frage nach einer fairen Gewinnbeteiligung zentral; die könne, im Falle öffentlichen Eigentums, nur die „Volkmacht“ garantieren. Die „neue sozialistische Gesellschaft“ werde durch eine „Rückkehr zum Naturgesetz“ geschaffen. – Praktisch umgelegt auf die sozioökonomische Ebene bedeutet dies, dass jeder wirtschaftliche Faktor soll aufgrund seiner grundlegenden und damit gleichbleibend bedeutenden Rolle im Herstellungsprozess ohne Rücksicht auf die Anzahl der Faktoren den gleichen Anteil (im allgemeinen ein Drittel) der Produktion erhalten soll. Privateigentum ist vorrangig ein Mittel zur Deckung der grundlegenden Bedürfnisse, nicht Ziel. Daher gibt es aus dieser Sicht nur „Partner, keine Lohnarbeiter“. Da jeder als „Produzent“ Teil des Produktionsprozesses (bzw. der Investitionsmittel) ist, gebührt ihm auch ein entsprechender Anteil (Beteiligung an der Produktion); das Individuum entwickelt in diesem System „ein vitales Interesse an der Steigerung der Produktion“, wodurch sich „die Arbeit quantitativ und qualitativ verbessern“ würde.

Für Gaddafi ist ein großes Problem die Abhängigkeit der Arbeiter durch die Lohnzahlung, in seiner Vorstellung kann es eine wirkliche Freiheit der Menschen nicht geben, solange dessen Bedürfnisse durch anderer kontrolliert werden.

 Die „neue sozialistische Gesellschaft“ bietet Einkommensmöglichkeiten als Selbstständiger (d.h. durch Arbeit in einem Ein-Mann- oder Familienbetrieb – ohne externe Angestellte –, wobei die materiellen Produktionserträge entweder zur Befriedigung der Bedürfnisse verwendet oder, „im Interesse der Entwicklung und des Wachstums“, gespart werden können), als Partner eines sozialistischen Unternehmens (der Anteil an der Produktion kann konsumiert oder gespart werden), oder im Dienstleistungsbereich (Angestellte – im öffentlichen Dienst – werden ihren Leistungen entsprechend von der Gesellschaft entlohnt). Für die „Arbeitsunfähigen“ sorgt die Gesellschaft.

„Das Recht auf Anteil am Reichtum der Gesellschaft ist für alle gleich“, d.h. niemand soll mehr „Reichtum“ besitzen, als zur Bedürfnisbefriedung nötig sei und den anderer übertreffen. Diesen Aspekt transferiert Gaddafi auf die globale Ebene, „d.h. keine Nation hat das Recht, vom unbegrenzten Weltreichtum mehr zu konsumieren als sie für die Bedürfnisdeckung benötigt.“

Geld, das als „Eigentum Gottes“ der Natur anvertraut und daher allen Menschen „entsprechend ihrer Arbeitsleistung“ gehört, darf lediglich zur Deckung der Grundbedürfnisse verwendet werden. Der nicht benötigte Überschuss muss der Gesellschaft zurückgegeben werden; Geld zu horten oder Zinsen zu erheben gelten als große Sünde und sind ausdrücklich verboten, so heißt es im Koran.

Moment mal, wird hier mancher sagen, was habe ich mit dem Koran zu tun, ich bin kein Moslem. Nun, das bin ich auch nicht, nur sind diese Gedanken wirklich nur auf die Religion beschränkt oder ist das eher eine Sache einer globalen Moralvorstellung?

Wir haben es hier mit der Idee zu tun, dass niemand mehr besitzen sollte, als zur Erfüllung seiner Bedürfnisse nötig ist. Und wenn man es genau nimmt, wird ja nicht definiert, wie hoch diese Bedürfnisse angesiedelt sind, es kann sich ja auch durchweg um einen gewissen Luxus handeln. Fragt man sich nicht unwillkürlich manchmal, ab wann jeder zusätzliche Betrag einfach unnötig wäre? Und wenn dieses Niveau dann auch noch für alle gleich wäre, dann hätten wir schon viele der derzeitigen Probleme erledigt.

Das Zinssystem ist ebenfalls eine Erfindung, die auf Dauer einfach nicht funktionieren kann, es sei denn, die entsprechenden geldausgebenden Stellen liefern fleißig nach. Warum? Leiht sich jemand 100% einer Summe und muss 110% zurückzahlen. Die fehlenden 10% muss er jemand anderem wegnehmen, dem dieses Kapital dann auch fehlt. Und wenn, wie es die Praxis ist, immer mehr verliehen wird, als tatsächlich vorhanden ist, entsteht eine hohle Blase, die irgendwann einmal platzen muss.

Bedürfnisse

Der Freiheit des Menschen fehlt etwas, wenn jemand anderer seine Bedürfnisse kontrolliert. Denn die Bedürfnisse können dazu führen, dass der Mensch durch den Menschen versklavt wird. Bedürfnisse verursachen Ausbeutung. Bedürfnisse sind ein systemimmanentes Problem, und aus einer Dominanz über die Bedürfnisse des Menschen erwachsen Konflikte. „

Das Haus ist ein Grundbedürfnis sowohl des Einzelnen wie auch der Familie. Deshalb sollte es nicht anderen Leuten gehören. Für einen Menschen, der im Haus eines anderen lebt, kann es keine Freiheit geben, ganz egal, ob er Miete bezahlt oder nicht.

In der sozialistischen Gesellschaft ist es niemandem erlaubt, die Gesellschaft selbst miteingeschlossen, die Kontrolle über die menschlichen Bedürfnisse auszuüben.

Niemand hat das Recht, zusätzlich zu seinem eigenen Haus und dem seiner Erben noch ein weiteres Haus zu bauen, um es zu vermieten, denn das Haus repräsentiert das Bedürfnis einer anderen Person, und es zu dem Zweck zu bauen, daraus Mieteinnahmen zu erzielen, ist ein Versuch, über die Bedürfnisse dieses Menschen die Kontrolle zu übernehmen, und: Die Freiheit ist dem Bedürfnis immanent.“

„Das Land gehört niemandem. Aber jeder hat das Recht, Gebrauch davon zu machen und davon zu profitieren, indem er es bearbeitet, bestellt oder als Weideland nützt. Das gilt für die Lebensspanne eines Menschen und die seiner Erben, und es geschieht durch seine eigene Anstrengung und ohne, dass er dabei die Arbeit von anderen benutzt, mit oder ohne Lohn, und nur soweit, wie er damit seine Bedürfnisse befriedigt.“

„Wer für sich selbst arbeitet, macht das bestimmt voller Hingabe an seine produktive Tätigkeit, weil der Anreiz, etwas herzustellen, darin begründet ist, dass die Befriedigung seiner materiellen Bedürfnisse von seiner eigenen privaten Arbeit abhängig ist. Außerdem ist jeder, der in einer sozialistischen Genossenschaft arbeitet, beim Produktionsprozess ein Partner. Ohne Zweifel widmet er sich seiner produktiven Arbeit mit großem Eifer, denn der Impuls dazu kommt daher, dass er durch die Produktion zur Befriedigung seiner Bedürfnisse gelangt. Derjenige hingegen, der für einen Lohn arbeitet, hat keinen Anreiz, das möglichst gut zu machen.“

„Wenn wir annehmen, dass der Reichtum der Gesellschaft zehn Einheiten ausmacht und die Bevölkerung aus zehn Personen besteht, ist der Anteil jeder Person am Reichtum der Gesellschaft ein Zehntel - nur eine Einheit pro Person. Wenn aber einige Mitglieder der Gesellschaft mehr als eine Einheit besitzen, dann besitzen andere Mitglieder derselben Gesellschaft gar nichts. Der Grund dafür ist, dass ihnen ihr Anteil an den Einheiten des Reichtums von anderen weggenommen wurde. Folglich gibt es Reiche und Arme in der Gesellschaft, in der die Ausbeutung vorherrscht.“

Der gesellschaftliche, das heißt also der nationale Faktor ist die treibende Kraft in der Geschichte der Menschheit. Das gesellschaftliche Band, das jede Gruppe von Menschen aneinanderbindet, von der Familie über den Stamm bis zur Nation, ist die Grundlage für die Vorwärtsbewegung in der Geschichte.

In der Welt des Menschen ist das die historische Realität, so wie es eine soziale Realität ist. Das bedeutet, dass der nationale Kampf - der soziale Kampf - die Basis der Bewegung der Geschichte ist, weil er stärker als alle anderen Faktoren ist, denn er ist der Ursprung, die Basis, liegt in der Natur der menschlichen Gruppe, der Natur der Nation. Es ist die Natur des Lebens selbst. Auch andere Lebewesen, außer dem Menschen, leben in Gruppen. Tatsächlich ist die Gruppe die Basis für das Überleben aller Gruppen im Reich der Lebewesen. Somit ist der Nationalismus die Basis für das Überleben der Nationen.

Nationen, deren Nationalismus zerstört wird, fallen dem Untergang anheim. Minderheiten, die eines der wichtigsten politischen Probleme in der Welt sind, sind das Ergebnis gesellschaftlicher Ursachen. Sie sind Nationen, deren Nationalismus zerstört wurde und die auseinandergerissen wurden. Der gesellschaftliche Faktor ist deshalb ein Faktor des Lebens, ein Faktor des Überlebens. Er ist der natürliche, einer Nation innewohnende und auf das Überleben ausgerichtete Antrieb.

Deshalb wird das Leben des Menschen beschädigt, wenn er anfängt, den Nationalismus zu missachten, den gesellschaftlichen Faktor, die Schwerkraft der Gruppe, das Geheimnis ihres Überlebens. Es gibt nichts, was dem gesellschaftlichen Faktor hinsichtlich der Einheit einer Gruppe gleichkommt, außer dem religiösen Faktor, der die nationale Gruppe trennen oder Gruppen mit verschiedenen Nationalismen einen kann. Der soziale Faktor wird jedoch letztendlich die Oberhand gewinnen. Das war durch alle Zeitalter hindurch immer der Fall. Ursprünglich hatte jede Nation eine einzige Religion. Das war ein Zustand der Harmonie. Tatsächlich jedoch traten Meinungsverschiedenheiten auf, die in allen Zeitaltern echte Ursachen für Konflikte und Instabilität im Leben der Völker wurden.

Eine verlässliche Regel ist die, dass jede Nation eine Religion haben sollte. Das Gegenteilige ist das Abnorme. So etwas Abnormes schafft eine ungesunde Situation, die zur echten Ursache für Dispute innerhalb einer nationalen Gruppe wird. Es gibt keine andere Regel als die, sich in Harmonie mit dem Naturgesetz zu befinden, dass jede Nation eine Religion hat. Wenn der soziale Faktor mit dem religiösen Faktor kompatibel ist, erreicht man einen Zustand der Harmonie, und das Leben der Gruppen wird stabil und stark und entwickelt sich auf gesunde Weise.“

Zu den gesellschaftlichen Bindungen beschreibt Gaddafi noch die Hierarchie von Familie, deren Bindung die stärkste ist, dann den Stamm, hierzulande am ehesten mit der Gemeinde vergleichbar, dann die Nation und als größte Gruppe die Menschheit allgemein.

Es ist deshalb von großer Wichtigkeit für die menschliche Gesellschaft, den Zusammenhalt der Familie, des Stammes, der Nation und der Welt zu bewahren, um von den Vorteilen, Privilegien, Werten und Idealen zu profitieren, die sich aus der Solidarität, dem Zusammenhalt, der Einheit, der Intimität und der Liebe der Familie, des Stammes, der Nation und der menschlichen Gemeinschaft ergeben.“ 

Vom sozialen Standpunkt aus gesehen ist die familiäre Gesellschaft besser als die Stammesgesellschaft, ist die Stammesgesellschaft besser als die nationale Gesellschaft und ist die nationale Gesellschaft besser als die Weltgesellschaft, soweit es das Gemeinschaftsgefühl, die Zuneigung, die Solidarität und die sozialen Zuwendungen betrifft.“

Als ganz wichtigen Punkt wird hier noch angeführt, dass der soziale Aspekt einer Struktur erheblich wichtig ist als ein politischer Aspekt. Dies bedeutet, dass sich Nationen, die sich aus rein politischen Gründen zusammengefunden haben, weniger stabil sind als Nationen, die den sozialen Aspekt in den Vordergrund rücken.

Die Rolle der Frau nach Gaddafi:

Es ist eine unumstrittene Tatsache, dass sowohl der Mann als auch die Frau menschliche Wesen sind. Daraus folgt als eine selbstverständliche Tatsache, dass Frau und Mann als menschliche Wesen gleich sind. Die diskriminierende Unterscheidung zwischen Mann und Frau ist ein eklatanter, durch nichts zu rechtfertigender Akt der Unterdrückung. Denn die Frau isst und trinkt, wie der Mann isst und trinkt . . . Die Frau liebt und hasst, wie der Mann liebt und hasst ... Die Frau denkt, lernt und versteht, wie der Mann denkt, lernt und versteht ... Die Frau, wie der Mann, braucht eine Unterkunft, Kleidung und ein Fahrzeug ... Die Frau verspürt Hunger und Durst, wie der Mann Hunger und Durst verspürt ... Die Frau lebt und stirbt, wie der Mann lebt und stirbt.

An dieser Stelle führt Gaddafi die biologischen Unterschiede auf, die eine grundlegend andere Betrachtung der Aufgaben einer Frau notwendig machen. In unserer Gesellschaft wird häufig während der Schwangerschaft noch erwartet, dass die Frau bis kurz vor der Entbindung arbeitet, und so schnell wie möglich nach der Geburt soll sich die Frau wieder in den Arbeitsprozess eingliedern. Hier hat er eine ganz andere, und meiner Meinung nach bessere, Vorstellung:


Auf die natürliche Rolle der Frau während der Mutterschaft zu verzichten, d.h. also, die Mütter durch Kindertagesstätten zu ersetzen, ist der Anfang davon, dass man auf die menschliche Gesellschaft verzichtet und sie in eine biologische Gesellschaft mit einer künstlichen Form des Lebens umwandelt. Kinder von ihren Müttern zu trennen und sie in Kindertagesstätten zu stopfen ist ein Prozess, durch den sie in etwas verwandelt werden, das den Hühnern sehr nahekommt, denn Kindertagesstätten sind so ähnlich wie Geflügelfarmen, in die Hühner gestopft werden, nachdem sie ausgebrütet wurden. Es gibt nichts Anderes, das der Natur des Menschen angemessen ist und seine Würde so bewahrt wie die natürliche Mutterschaft (d.h., das Kind wird von seiner Mutter großgezogen), und zwar in einer Familie, in der die wahren Prinzipien der Mutterschaft, des Vaterseins und der Brüderlichkeit herrschen, und nicht etwa in irgendeiner engen Einrichtung, die einer Geflügelfarm ähnelt. Auch das Geflügel braucht, wie der Rest der Lebewesen im Tierreich, die Mutterschaft als eine natürliche Phase. Deshalb ist es ein Verstoß gegen ihr natürliches Wachstum, sie in Kindertagesstätten ähnelnden Farmen zu züchten.

Die Mutterschaft ist die Funktion des weiblichen Wesens, nicht des männlichen Wesens. Folglich ist es unnatürlich, Kinder von ihrer Mutter zu trennen. Jeder Versuch, Kinder ihren Müttern wegzunehmen, ist Nötigung, Unterdrückung und Diktatur. Die Mutter, die ihre Mutterschaft aufgibt, steht im Widerspruch zu ihrer natürlichen Rolle im Leben. Sie muss ihre Rechte erhalten und in eine Lage versetzt werden, die angemessen ist, ohne Zwang und ohne Unterdrückung. Auf diese Weise kann sie ihre natürliche Rolle unter natürlichen Umständen erfüllen. Alles andere ist eine sich selbst widersprechende Situation. Wenn die Frau gezwungen wird, ihre natürliche Rolle in Bezug auf Empfängnis und Mutterschaft aufzugeben, wird sie das Opfer von Nötigung und Diktatur. Eine Frau, die eine Arbeit braucht, die es ihr unmöglich macht, ihre natürliche Funktion zu erfüllen, ist nicht frei und durch die Not dazu gezwungen, doch in der Not ist die Freiheit verschüttet.

Der Glaube, der eigene Glaube der Frau miteingeschlossen, dass die Frau aus eigenem Antrieb körperliche Arbeiten ausführt, ist tatsächlich ein Irrglaube. Denn sie führt die körperliche Arbeit nur aus, weil die unbarmherzige materialistische Gesellschaft sie, ohne dass sie sich dessen direkt bewusst wäre, in eine Zwangslage gebracht hat. Sie hat keine andere Möglichkeit, als sich den in dieser Gesellschaft herrschenden Umständen zu unterwerfen, während sie doch denkt, dass sie aus eigenem Antrieb arbeitet. Die Regel jedoch, dass es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau gibt, in keiner Hinsicht, beraubt sie ihrer Freiheit.“

„Ein Aufgeben der natürlichen Rolle von Mann und Frau im Leben kann daher nur unter unnatürlichen Bedingungen stattfinden, die im Widerspruch zur Natur stehen und eine Gefahr für das Überleben sind. Folglich muss es eine Weltrevolution geben, die allen materialistischen Bedingungen ein Ende bereitet, unter denen die Frau daran gehindert wird, ihre natürliche Rolle im Leben zu erfüllen und unter denen sie dazu getrieben wird, die Pflichten des Mannes zu erfüllen, um gleichberechtigt mit ihm zu sein. Eine solche Revolution wird unweigerlich stattfinden, besonders in den Industriegesellschaften, und zwar als ein Resultat des Überlebensinstinktes.“

„Alle heutigen Gesellschaften sehen in der Frau nichts weiter als einen Handelsartikel Der Osten betrachtet sie als eine Ware, die man kaufen oder verkaufen kann; der Westen erkennt ihre Weiblichkeit nicht an.“

„Die Frage ist also nicht, ob die Frau arbeitet oder nicht arbeitet. Denn die Frage so zu stellen ist lächerlich und materialistisch. Eine Arbeit sollte die Gesellschaft all ihren arbeitsfähigen Mitgliedern, Frauen wie Männern, zur Verfügung stellen, die eine Arbeit brauchen, dies aber unter der Voraussetzung, dass jedes Individuum in dem Bereich arbeiten sollte, der zu ihm passt, und dass es nicht gezwungen werden sollte, unpassende Arbeiten auszuführen. Wenn Kinder sich in den Arbeitsbedingungen der Erwachsenenwelt wiederfinden, ist das ungerecht und diktatorisch. Genauso ungerecht und diktatorisch ist es, wenn sich die Frau in den Arbeitsbedingungen der Männerwelt wiederfindet.

Freiheit bedeutet, dass jeder Mensch die Ausbildung erhält, die ihn für eine ihm angemessene Arbeit qualifiziert. Diktatur bedeutet, dass der Mensch etwas lernt, das nicht zu ihm passt. Das führt dazu, dass er eine Arbeit verrichtet, die nicht zu ihm passt. Eine Arbeit, die für den Mann angemessen ist, ist nicht immer angemessen für die Frau, und das Wissen, das für das Kind richtig ist, ist unpassend für den Erwachsenen. Es gibt keinen Unterschied zwischen den Menschenrechten des Mannes und der Frau, des Kindes und des Erwachsenen. Aber was ihre Pflichten angeht, gibt es keine absolute Gleichheit zwischen ihnen.“

Mir ist schon klar, dass es bei diesem Absatz zur Rolle der Frau bestimmt einige aufgebrachte Menschen gibt, vermutlich Frauen, die meinen, diese wäre nun aber wieder frauenfeindlich. Nein, ist es nicht, ganz im Gegenteil. Wenn eine Frau gezwungen wird wie ein Mann zu sein, um in der Gesellschaft anerkannt zu sein, dann läuft da etwas mächtig falsch.

Gaddafis Bemerkungen über die Schwarzen

„Die Schwarzen werden sich in der Welt durchsetzen. Das letzte Zeitalter der Sklaverei war jenes, in dem die schwarze Rasse durch die weiße Rasse versklavt wurde. Der schwarze Mann wird das nicht vergessen und nicht eher ruhen, bis er rehabilitiert ist. Dieses tragische und historische Vorkommnis, das daraus resultierende Gefühl von Bitterkeit und die Suche nach einer Befriedigung, die sich aus einer Begleichung von Rechnungen und der Rehabilitierung einer ganzen Rasse ergibt, bilden innerhalb der Bewegung der schwarzen Rasse eine auf Rache und Vorherrschaft ausgerichtete psychologische Motivation, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf.“

Die Frage an dieser Stelle ist es, ob an diesen Überlegungen etwas dran sein kann. Mir fallen Berichte ein, über derzeit häufig vorkommende Überfälle und Ermordungen von weißen Farmern in Südafrika, über aggressiv auftretende schwarze Migranten in Europa sowie fehlenden Respekt vor unseren Gesetzen und den Ordnungskräften. Natürlich betrifft es nur einen kleinen Teil der Menschen, aber wer sich aber mit der Psychologie der Massen beschäftigt, erkennt, dass hier durchweg ein Gefahrenpotential lauert.

Natürlich kann man nun einwerfen, die Kolonialzeit sei doch lange vorbei und solche „Rachegedanken“ seien absurd, aber ist diese Kolonialzeit wirklich vorbei? Oder sind nur die Kolonialmächte nicht mehr Länder, sondern Konzerne? Und nun kommen diese Menschen aus den ärmsten Ländern Afrikas plötzlich in das „reiche“ Europa, also mich wundern da keine emotionalen Reaktionen.

Über die Erziehung

Die Erziehung, oder das Lernen, ist nicht notwendigerweise gleichbedeutend mit dem methodischen Lehrplan und dem klassifizierten Stoff in den Lehrbüchern, den die Jugend in genau zugeordneten Stunden gezwungenermaßen lernen muss, während sie in ihren Bankreihen sitzt. Diese Art von Erziehung, die jetzt überall auf der Welt vorherrscht, ist gegen die menschliche Freiheit gerichtet. Die Schulpflicht, mit der sich die Länder der Welt immer dann brüsten, wenn sie diese ihrer Jugend aufzwängen können, ist eine der Methoden, die die Freiheit unterdrückt. Sie ist das zwangsweise Auslöschen der Talente eines Menschen sowie die erzwungene Ausrichtung der Wahlmöglichkeiten eines Menschen. Sie ist ein Akt der Diktatur und schädlich für die Freiheit, weil sie den Menschen seiner freien Entscheidung beraubt, seiner Kreativität und seiner Brillanz. Ein menschliches Wesen zu zwingen, nach einem festgesetzten Lehrplan zu lernen, ist ein diktatorischer Akt. Menschen bestimmte Themen und Stoffe aufzuoktroyieren, ist ein diktatorischer Akt.

Die methodisierte Schulpflicht ist in Wirklichkeit eine den Massen aufgezwungene Verdummung. Alle Länder, die ein Erziehungssystem in Gestalt von formelhaften Lehrplänen einrichten und die Schüler zwingen, nach diesen zu lernen, nötigen ihre Bürger. Alle in der Welt vorherrschenden Erziehungsmethoden sollten im Zuge einer weltweiten Kulturrevolution abgeschafft werden, um den menschlichen Geist von den Lehrplänen des Fanatismus und vom Prozess der absichtsvollen Anpassung des menschlichen Geschmacks zu befreien und um seine Fähigkeit zum Ausbilden von Konzepten und auch seiner Mentalität zu bewirken.

Das bedeutet nicht, dass die Schulen geschlossen werden und dass die Menschen der Erziehung den Rücken kehren sollen, wie das vielleicht für oberflächliche Leser den Anschein hat. Es bedeutet im Gegenteil, dass die Gesellschaft alle Arten von Erziehung zur Verfügung stellen und den Leuten die Gelegenheit geben sollte, frei zwischen allen Fächern zu wählen, die sie lernen möchten. Das erfordert eine ausreichende Zahl von Schulen für alle Arten von Erziehung. Zu wenige Schulen schränken die Wahlfreiheit des Menschen ein, indem sie ihn zwingen, die zur Verfügung stehenden Fächer zu belegen, während sie ihn durch die fehlende Verfügbarkeit von anderen Fächern seines natürlichen Wahlrechts berauben. Gesellschaften, die das Wissen verbieten und monopolisieren, sind reaktionäre Gesellschaften, die eine Vorliebe für die Unwissenheit haben und der Freiheit gegenüber feindlich eingestellt sind. Folglich sind Gesellschaften, die es verbieten, die Religion so zu lehren, wie sie wirklich ist, reaktionäre, der Unwissenheit Vorschub leistende und der Freiheit gegenüber feindlich eingestellte Gesellschaften. Gleichermaßen reaktionär, der Unwissenheit Vorschub leistend und der Freiheit gegenüber feindlich eingestellt sind die Gesellschaften, welche die Religionen, die Zivilisationen und das Verhalten von anderen im Prozess des Unterrichtens der entsprechenden Fächer verzerren. Gesellschaften, die das materialistische Wissen zum unangreifbaren Tabu erklären, sind reaktionäre Gesellschaften, die der Unwissenheit Vorschub leisten und der Freiheit gegenüber feindlich eingestellt sind.“

Hier haben wir nun zwei Gebiete angesprochen, die genaugenommen zusammengehören. Zum einen die Rolle der Frau bei der Kindererziehung und zum anderen das Bildungssystem. Unabhängig davon, ab nun der Vater oder die Mutter die Kindererziehung und Betreuung übernimmt, es geht auf jeden Fall darum, dass ein Kind innerhalb der Familie aufwächst und damit nicht schon im jungen Alter in ein System gepresst wird. Zur Schule haben wir hier Gedanken, dass wirklich jedes Kind so gefördert werden soll, wie es seinen Neigungen und Interessen entspricht.

Auf den ersten Blick sind es natürlich Ideen, deren praktische Umsetzung kaum möglich erscheinen. Sind sie auch nicht, in dem bisherigen System.

Wenn wir uns allerdings einmal überlegen, welche Vorteile es bringen wird, wenn es umgesetzt wird, dann finden wir auch die Wege dahin. Denn der derzeitige Weg des ins System gepressten Menschen und der ungebremste Konsum sind Wege, die nicht mehr lange funktionieren. Modernere Technologien schaffen mehr Arbeit mit weniger Menschenkraft, und wenn die Menschen sich dann so entwickeln können, dass es ihren eigenen Neigungen entspricht, dann werden wir eine andere Produktivität für das Wohl der Menschheit erleben. Weil diese Menschen dann genau das lieben, was sie tun und der Drang des Menschen nach Selbstverwirklichung und Anerkennung seiner Leistung ein Ansporn sind, werden sich neue Arbeitsfelder auftun, die dann der Allgemeinheit dienen.

„Wissen ist das Naturrecht eines jeden Menschen, und niemand hat das Recht, ihn dieses Wissens zu berauben, unter welchem Vorwand auch immer, mit Ausnahme des Falles, in dem eine Person selbst etwas tut, das sie ihres Rechts auf Wissen beraubt. Die Unwissenheit wird ein Ende finden, wenn alles so dargestellt wird, wie es wirklich ist, und wenn das Wissen über alles jeder Person in der Form zugänglich ist, die für sie geeignet ist.“

"Der Zweck der neuen sozialistischen Gesellschaft ist es, eine Gesellschaft zu schaffen, die glücklich ist, weil sie frei ist. Das kann erreicht werden, indem man die materiellen und spirituellen Bedürfnisse des Menschen befriedigt, und das wiederum geschieht durch die Befreiung dieser Bedürfnisse aus einem Zustand der Dominanz und Kontrolle von außen."
(Muammar al Gaddafi)


(aus dem Buch: "Es reicht - wir machen nicht mehr mit", Bernd Neuhaus)