Die Bagatelle oder sehe ich den anderen gerade wirklich.

Letztens hatten wir ein Erlebnis, bei dem Sigrid von einer Frau an gemeckert wurde, für einen Fehler, den eine dritte Person begangen hatte. Eigentlich ging es um eine Bagatelle, aber die besagte Dame ist dermaßen mit ihrem Leben unzufrieden, was dann diese Reaktion auslöste.

Nun, Sigrid regte sich mit Recht auf, wobei ich dann gleich wieder beschwichtigen wollte, weil ich da keine nutzlose Energie verwenden wollte. Man kann auch sagen, mein Waage-Aszendent hat da mal wieder voll zugeschlagen, sorry.

 

Doch was ist da wirklich passiert? Sigrids Reaktion war absolut gerechtfertigt und in dem Moment, in dem ich nur die Situation entschärfen wollte, war ich Sigrid gegenüber respektlos. Ja, ich habe ihre momentanen Gefühle nicht beachtet und das, obwohl ich in der Situation als Betroffener vermutlich genau so gehandelt hätte.

 

Da frage ich mich doch glatte, wie oft machen wir so eine Handlung, das Geschehene zu bagatellisieren und damit den anderen nicht zu sehen?

Da kommt ein guter Freund, ist total fertig, weil seine Freundin ihn verlassen hat, und wir trösten ihn damit, dass er ja wohl etwas besseres verdient hat, dass andere Mütter auch schöne Töchter haben oder so etwas in der Art.

Oder ein Kind ist gefallen, und wir erklären dem Kind, es sei ja doch nicht so schlimm. Oder jemand steht vor einer Aufgabe, einer Prüfung zum Beispiel. Wir sagen dann aufmunternd: „Das schaffst Du schon“ oder so etwas in der Art.

 

Es gibt viele solcher Ereignisse, und wir meinen es ja nur gut. Dabei ignorieren wir aber ganz konsequent die aktuelle Gefühlslage des Betroffenen. Natürlich sind unsere Reaktionen im Grunde genommen nicht falsch, aber der erste Schritt sollte immer sein, den anderen in seinem momentanen Schmerz zu sehen und auch so anzunehmen. Danach kann man immer noch trösten.

 

Denkt mal drüber nach