Der Beobachter

Kennt jemand eigentlich die Geschichte von Schrödingers Katze?

Es geht um ein gedankliches Experiment aus der Quantenphysik. Erwin Schrödinger entwarf folgendes Gedankenmodell: Ein Katze wird in eine Kiste eingeschlossen,
zusammen mit einer Giftampulle, die über einen Zufallsmechanismus irgendwann geöffnet wird,
worauf das Gift die Katze dann tötet.
(Schreit nicht Tierquäler, es war nur ein Gedankenexperiment).

Die Frage ist: Lebt die Katze oder ist sie tot?
Die Frage können wir nur beantworten, wenn wir die Kiste öffnen.
Vorher existieren beide Realitäten gleichwertig nebeneinander.


Die
grundsätzliche Frage lautet, wie ist der Zustand von etwas, bevor jemand hinschaut.

Die Quantenphysik sagt nämlich aus, dass etwas erst dann entsteht, wenn jemand hinschaut. Ohne den Beobachter ist nur Chaos,
eine unzählige Menge an Möglichkeiten,
und erst wenn wir hinschauen und unsere Aufmerksamkeit darauf richten, wählen wir aus dieser Menge an Möglichkeiten genau die eine aus, die für uns zur Realität wird.

 

Die sich anschließende Frage lautet damit ja nun, wenn ich meine Erwartung ändere, was ich da vorfinde, kann ich ja meine Realität komplett verändern.
Ja, das stimmt schon.

Aber zum Glück haben wir auch ein festes Muster aus unserer Erfahrung im Unbewussten vorliegen. Was wäre es denn für eine Welt, wenn wir morgens aufwachen würden,
und uns nicht darauf verlassen können, dass wir festen Boden neben unserem Bett vorfinden. Und nicht Wasser oder Treibsand.
Insofern hat auch die Meinungsstabilität unseres Unbewussten einen echten Vorteil.

 

Ja, wirst Du nun sagen, aber wir erleben doch alle die gleiche Realität. Frage dazu, stimmt das wirklich? Natürlich sehen wir viele Dinge ziemlich gleich,
ziemlich gleich heißt fast gleich, nicht unbedingt identisch. Dies ist ein Resultat des kollektiven Bewusstseins, welches uns alle miteinander verbindet.
Etwas gänzlich anderes wahrzunehmen als alle anderen ist meist nicht so einfach, außer unter dem Einfluss von Drogen.

 

Was und wie viel jemand wahrnimmt, hängt auch von seinem Bewusstsein ab. Wenn ich kein Bewusstsein für etwas habe, kann ich es auch nicht erkennen
ich werde es einfach nicht registrieren. Natürlich gibt es recht wenige Dinge, die nicht im allgemeinen Bewusstsein sind, aber es gibt sie.

 

Man kann diese Überlegungen noch erheblich weiter verfeinern, aber ich belasse ich für den Moment dabei.

Die Frage ist nur, wenn ich als Beobachter meine Realität kollabieren lasse, wie werde ich denn dann ein besserer Beobachter?
Ganz einfach, schaue genauer hin.

 

Denk einfach mal drüber nach, wenn Du magst.

 

ps.: Ich habe das Gedankenexperiment von Schrödinger bewusst einfacher dargestellt.
Hier als Ergänzung die originale Beschreibung von ihm:

"Man kann auch ganz burleske Fälle konstruieren. Eine Katze wird in eine Stahlkammer gesperrt, zusammen mit folgender Höllenmaschine
(die man gegen den direkten Zugriff der Katze sichern muss): in einem Geigerschen Zählrohr befindet sich eine winzige Menge radioaktiver Substanz, so wenig,
dass im Laufe einer Stunde vielleicht eines von den Atomen zerfällt, ebenso wahrscheinlich aber auch keines; geschieht es, so spricht das Zählrohr an und
betätigt über ein Relais ein Hämmerchen, das ein Kölbchen mit Blausäure zertrümmert. Hat man dieses ganze System eine Stunde lang sich selbst überlassen,
so wird man sich sagen, dass die Katze noch lebt, wenn inzwischen kein Atom zerfallen ist. Der erste Atomzerfall würde sie vergiftet haben.
Die Psi-Funktion des ganzen Systems würde das so zum Ausdruck bringen, dass in ihr die lebende und die tote Katze zu gleichen Teilen gemischt oder verschmiert sind.
Das Typische an solchen Fällen ist, dass eine ursprünglich auf den Atombereich beschränkte Unbestimmtheit sich in grobsinnliche Unbestimmtheit umsetzt,
die sich dann durch direkte Beobachtung entscheiden lässt. Das hindert uns, in so naiver Weise ein „verwaschenes Modell“ als Abbild der Wirklichkeit gelten zu lassen.
An sich enthielte es nichts Unklares oder Widerspruchsvolles.
Es ist ein Unterschied zwischen einer verwackelten oder unscharf eingestellten Photographie und einer Aufnahme von Wolken und Nebelschwaden.“  
Erwin Schrödinger