Die Macht der alternativen Medizin

Es ist noch nicht so allzu lange her, da gingen die Menschen zu einem Heiler, meist waren dies ältere Frauen mit Erfahrung in Kräuterkunde, oder man kurierte sich mit den 
Rezepten aus Omas Erfahrungsschatz. Selbst jetzt noch sind viele von uns mit Eltern aufgewachsen, die ein Hausmittle angewandt haben, bevor sie ein Medikament gekauft haben 
oder gar einen Arzt konsultiert haben. Es ist erst einige Generationen her, dass die durchschnittliche Bevölkerung erst dann einen Arzt aufgesucht hat, wenn es eine ernsthafte 
Krankheit war und alle Anstrengungen zur Behandlung zu Hause ausgeschöpft waren. Vielfach waren Ärzte ja auch nicht zu erreichen oder den Menschen fehlten die Mittel, 
diese auch zu bezahlen.

Was ist denn überhaupt die „alternative“ Medizin?

Eigentlich sollte man immer beginnen, die Begriffe zu erklären, um die es geht, damit auch verständlich wird, worüber man da gerade redet.

Fangen wir einmal mit dem Begriff „traditionell“ an, der ja oft als Gegenpol zu „alternativ“ betrachtet wird. Eine Tradition ist etwas, was „seit langem etabliert und altehrwürdig“ ist. 
Wenn wir überlegen, dass Heilkräuter, Nahrungsmittel und andere natürliche Heilmittel teilweise schon seit Jahrtausenden als Medikamente verwendet wurden, dann könnte man 
diese eher als „traditionell“ betrachten, als die moderne Medizin, die mit künstlichen Medikamenten und Geräten am Patienten arbeitet. Diese „moderne“ Medizin gibt es ja noch 
nicht lange, irgendwie zwischen 100 und 200 Jahren fing es so richtig an.

Dadurch, dass man die Welt überzeugt hat, dass die medikamentenintensive Medizin die „traditionelle“ Medizin ist, hat die Pharmaindustrie diesen Begriff neu definiert und 
überall auf der Welt sind die Menschen überzeugt, dass diese Art der Medizin der Standard ist, auch wenn es in Wirklichkeit nicht so ist. Interessant ist hier auch die Entwicklung 
in China zu sehen, die im Rahmen der Kulturrevolution erst alles Traditionelle beseitigen und verbieten wollte, und dann ganz schnell die eigene Traditionelle Chinesische Medizin 
wieder zurückgeholt hat und nun beide Arten der Medizin in friedlicher Koexistenz zusammenarbeiten lassen. Dort ist es mittlerweile keine Ausnahme, wenn ein Patient sowohl mit den Methoden der modernen Medizin und der Traditionellen Chinesischen Medizin gleichzeitig behandelt wird.

Wenn man dies nun liest, dann könnte man auf den Gedanken kommen, ich fände die moderne Medizin schlecht. Dies ist aber nicht so, denn besonders in der Akutmedizin 
hat sie unheimliche Fortschritte gemacht und hat vielen Patienten dadurch erst einmal das Überleben gesichert. Und es gibt keinen Zweifel, dass sich viele Ärzte und Wissenschaftler
in ihr Fachgebiet begeben haben, mit dem eindeutigen Ziel, Menschen zu helfen. Und wir möchten dem Arzt ja auch vertrauen, doch, wenn wir dann wirklich mal zu einem Arzt 
gehen und dieser schon das Rezept ausgefüllt hat, bevor wir den ersten Satz zu ende gesprochen haben, dann fällt dieses Vertrauen eben auch schwer.

Wir sind teilweise einem ganz gefährlichen Trend unterlegen. Wir glauben fest, dass der Arzt immer nur unser Bestes will und dass er ja der Fachmann ist, der schon weiß, 
welche Pille für uns jetzt gerade gut ist.

Aber das geht auch noch so weiter. Überzeugt von mehr oder weniger versteckter Werbung verlangen viele Patienten gleich schon man speziellen Medikamenten, 
weil sie gehört haben, dass es sehr gut ist. Diese Medikamente sind die, die ein Problem lösen, lange bevor wir es überhaupt bekommen habe.

Besonders in den letzten Jahrzehnten hat sich der Ansatz verwirklich, für alles eine Medizin zu haben, dass sich grundlegend die Art und Weise geändert hat, wie wir uns 
um unsere Gesundheit und unseren Körper kümmern. Wer macht denn noch Ansätze, sich selbst zu heilen? Warum gehen wir wegen jeder Kleinigkeit zum Art, und lassen 
uns etwas verschreiben? Das Denken in den Köpfen vieler hat sich gewandelt, weg von der natürlichen Heilung, hin zur pharmagestützten Heilung. 
Und es hat sich auch die Art geändert, wie wir mit unserem Körper selbst umgehen. Nach dem Motto: Iss was Du willst, jeden Müll, es gibt ja Pillen gegen Hochdruck 
und Cholesterin, Sport ist unnötig, es gibt Pillen gegen Fettleibigkeit, Stress ist doch halb so wild, es gibt doch Pillen, die Deine Stimmung wieder anheben und so weiter.

Warum also sollten wir auf uns selbst acht geben, wenn es doch eine Pille gibt, mit der wir die Konsequenzen unserer Lebensweise, 
der Umwelt und unserer Lebensweise beheben können?

Die Wörter „Naturheilkunde“, „Alternative Medizin“ und ähnliche Bezeichnungen sind in den Augen der Pharmaindustrie und der Medizinmafia ganz böse Wörter.

Und so werde natürliche Alternativbehandlungen verpönt, diejenigen, die sie anbieten, werden offen lächerlich gemacht und verhöhnt, als Scharlatane und Betrüger 
gebrandmarkt und dem armen Patienten, der es wagt, diesen Weg zu gehen, prophezeit man das schlimmste, was je passieren kann. Nicht nur, dass er sehr leiden und 
qualvoll sterben wird, er kommt auch noch in die Hölle und damit auch in die ewige Verdammnis.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die allopathische medizinische Gemeinschaft schon lange die Ideen und Methoden der Ganzheitsmedizin verspottet und lächerlich macht. 
Natürlich nur im Sinne des Patienten und dem Schutz der Gesellschaft, wie sie laut verkünden. Ganz leise und für sich fürchten sie um ihr Gesundheits-Monopol, welches 
mit riesigen Schmier- und Bestechungsgeldern funktioniert. Die moderne Medizin, einige Ärzte und die allmächtige Pharmaindustrie wollen nicht, dass die Menschen auf 
die alten Wege zurückgehen, weil sie Angst um ihre Profite haben.

Aber warum wollen die Menschen lieber „alternative“, „naturheilkundliche“ und „ganzheitliche“ Behandlungen? Zum einen natürlich, weil sie sich hier als Menschen wahrgenommen 
fühlen, die Naturheilkundler hören ihren Patienten zu, stellen die richtigen Fragen, und sehen den Patienten auch in seinem Umfeld. Im Gegensatz zu Allopathie, wo sich die Ärzte 
so sehr spezialisiert haben, dass sie nur noch „den Magen“, „die Leber“ etc. im Blick haben. Und viele Statistiken zeigen auf, dass mehr Menschen an den Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten verschreibungspflichtiger Medikamente, an Krankenhausfehlern, an Infektionen in Krankenhäusern und wegen unnötiger Operationen sterben als 
Patientenschäden durch naturheilkundliche Behandlung entstehen.

Nur wenn dies passiert, und ein Patient dann wirklich mal stirbt, dann geht das große Geschrei los. Vor einiger Zeit ist ein Krebs-Patient gestorben, der sich gegen die 
Methoden der Schulmedizin entschieden hat und sich von einem Heilpraktiker hat behandeln lassen. Dies wurde in den Medien groß und breit berichtet. 
Wie viele Patienten durch die Methoden der Allopathie sterben, dass erfährt niemand, denn die Ärzte untereinander halten ja auch zusammen.

Solange die politischen Entscheidungsträger unter der Kontrolle und Finanzierung der medizinisch und pharmazeutischen Machtstrukturen stehen, 
werden naturheilkundliche Behandler immer auch mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert werden.

Und ich sehe auch, dass auch im Bereich der alternativen Heilkunde nicht alles Gold ist, was glänzt. Viele Heilpraktiker hämmern sich die geforderte Menge an schulmedizinischem 
Wissen in den Kopf und vernachlässigen ihre eigentliche Ausbildung in der Therapieform, die sie anbieten wollen.

Und was bedeutet es für den Patienten? 
Grundsätzlich sehe ich es so, dass niemand von einem anderen geheilt werden kann, es ist immer die Selbstverantwortung gefragt.

Jede Krankheit kann geheilt werden, aber nicht jeder Kranke kann geheilt werden.

Niemand sollte seine Macht zur Heilung an andere abtreten und statt dessen alle Hilfsmittel nutzen, die für ihn funktionieren.

Kann man ja mal drüber nachdenken