Stehen wie ein Baum

Eine der grundlegendsten Übungen des Qigong ist das Zhan Zhuang Gong, das Stehen wie ein Baum. Oftmals wird es auch als Stehende Säule bezeichnet.

Was bewirkt diese Übung und wie führt man sie durch?

Die Vorbereitung besteht ganz einfach darin, sich mit leicht schulterbreiten Beinen hinzustellen und zu entspannen. Hierzu sollte man zusehen, dass speziell der untere Teil der Wirbelsäule möglichst gerade ist und dass die Knie leicht gebeugt sind. Dann beginnt man mit einer gezielten Entspannung, beginnend am Kopf bis hinunter zu den Füßen.

Natürlich wäre hier die Anleitung eines erfahrenen Lehrers nützlich, leider steht ein solcher nicht immer zur Verfügung. Die Begradigung der Wirbelsäule kann man für sich selbst ein wenig beobachten, wenn man sich in einen Türrahmen stellt und versucht, mit dem kompletten Rücken den Rahmen zu berühren.

Zur Entspannung kann man die Alexander-Technik zu Hilfe nehmen, was vereinfacht daraus besteht, dass man die zu entspannenden Körperteile genau bewusst anspannt und dann loslässt. Viele werden sich dadurch erst der Verspannungen bewusst, weil diese schon so „normal“ geworden sind, dass man sie nicht mehr bemerkt. Manchen hilft es auch, sich vorzustellen, der Körper sei mit einer Wachsschicht überzogen und man stehe unter einer heißen Dusche, wodurch das Wachs schmilzt und nach unten abfließt.

Die Atmung sollte bis tief in den Unterbauch erfolgen und die Position so, als sei man an der höchsten Stelle des Kopfes wie mit einer Schnur am Himmel aufgehängt, während alles andere wie bei einer Marionette nach unten hängt.

Natürlich empfindet man zu Beginn eine Anstrengung in den Muskeln des Oberschenkels, daran gewöhnt man sich schnell und kann dann mit jedem Übungsdurchgang etwas länger stehen, bevor es unangenehm wird.

Die bis hierhin beschriebene Vorgehensweise ist das Wuji-Stehen, das absichtslose Stehen. Es lohnt sich auf jeden Fall, diese Entspannung zu üben. Wenn man es einmal gelernt hat, dann kann man recht schnell und überall entspannen.

Die Übung der Stehenden Säule ist dann eine Steigerung, die Beine sind etwas mehr auseinander, und die Hände werden so vor den Körper gehalten, dass die Handinnenflächen mit dem Akupunkturpunkt Laogong (in der Mitte der Handinnenfläche) zum Dantien zeigt, dem zentralen Energiespeicher, der sich einige Zentimeter unterhalb des Bauchnabels in Körpermitte befindet.

Die Atmung fließt ganz bewusst zum Dantien und man entspannt immer weiter, schmilzt sozusagen in diese Position hinein.

Nach unten fest verwurzelt, nach oben leicht, wie ein Baum im Wind.

Das Ergebnis dieser Übung ist eine deutliche Steigerung der Lebensenergie, die dann infolge der Entspannung auch frei im Körper fließen kann. Schon das älteste Medizinbuch der Welt, der „Gelbe Kaiser der Inneren Medizin“ (Huang di nei ging) sagt aus, dass man nicht krank werden kann, wenn die Lebensenergie ausreichend vorhanden ist und im Körper frei fließen kann, und anders herum, ist die Energie zu gering oder blockiert, wird man krank.

Durch diese Übung kommt der Übende in die Gegenwart, in den jetzigen Moment und nicht zuletzt erdet sich der Übende, was in jeder Hinsicht für eine bessere Stabilität sorgt.
Speziell dieses Erden ist recht nützlich für diejenigen, die zu oft im Verstand sind. Hier ist der Effekt natürlich noch größer, wenn man diese Übung in der Natur macht.

In China sagt man:

„Wer täglich eine Viertelstunde steht, heilt sich selbst, wer täglich eine halbe Stunde steht, heilt auch andere“