Das mache ich morgen .....

Morgen

Vor zwei Tagen habe ich am frühen Morgen eine Mail bekommen, von meinem ehemaligen Chef. Ich war ja bis zum Herbst noch als Sanitäter beschäftigt, eingesetzt bei einem großen Online-Handel.

Der Inhalt dieser Mail hat mich sehr betroffen gemacht, denn mein Kollege, mit dem ich die letzten Jahre zusammengearbeitet hatte und zu dem ich in dieser Zeit auch eine Freundschaft aufgebaut hatte, ist ganz unerwartet gestorben. Einfach so. Niemand hat damit gerechnet, am wenigsten wohl er selbst.

Er hat für seine Arbeit gelebt und hat dort alles gegeben, immer bemüht, den „Laden“ am laufen zu halten. Wenn wir Personalmangel hatten, wegen Krankheit oder weil Kollegen gekündigt hatten, hat er Überstunden gemacht, ohne Rücksicht auf eigene Verluste. Hauptsache der Arbeitsplatz war besetzt und er konnte den Patienten helfen.

Was mich so betroffen hat ist die Tatsache, dass ich genau so war und hätte Sigrid nicht auf mich eingewirkt (Danke dafür),
dann wäre ich nicht im letzten Herbst mit 63 Jahren in Rente gegangen.

Wir haben beide weit mehr gemacht als gefordert, denn eigentlich wäre es nur unsere Aufgabe gewesen, bei echten Notfällen zu helfen. Die waren zum Glück aber recht selten dort. Sehr häufig waren aber die Probleme, die das Arbeiten unter Stress bei den Mitarbeitern unseres Auftraggebers so mitbringen, persönliche Gesundheitsprobleme, aber auch psychische Probleme, sei es privat oder aufgrund der Arbeit. Darum war es wichtig für uns, dass immer jemand da war. Für die anderen. Das eigene Leben stand immer hinten an. Als er im letzten Jahr sehr krank war und kaum noch Luft bekommen hat, musste man ihn schon fast zwingen zum Arzt zu gehen. Aber war ich anders? Eigentlich nicht. Ich war in den letzten 25 Jahren nur eine Woche krank, da hat mich eine Erkältung total umgeworfen, aber wenn Sigrid nicht energisch gewesen wäre, wäre ich auch damit noch arbeiten gegangen.

Und jetzt ist er plötzlich nicht mehr da. In wenigen Tagen hätte er Geburtstag gehabt, dann hätte er mich kurz eingeholt. Er war ein Jahr jünger als ich.
Gestern zeigte mir facebook noch, dass er vor 18, 19 Stunden das letzte Mal online war, nun ist er nie wieder online.

Mein Freund, Du warst unersetzbar, und doch geht es jetzt weiter. Ohne Dich. Ob in Deinem Sinne, wer weiß. Ich hoffe, dass Du nun dort wo Du bist Deinen Frieden findest.

Ich schreibe dies nicht nur als letzten Gruß an ihn, ich schreibe es auch als Erinnerung an uns alle, auch an mich.

Das Leben findet jetzt statt und wir wissen nie, wie viel uns hier auf dieser Erde noch bleibt.

Etwas, was uns glücklich macht, sollten wir nicht auf morgen verschieben. Denn wir wissen nie, ob es noch ein morgen gibt, jeder Tag ist ein Geschenk. Nutzen wir es.

In Erinnerung an einen Freund.

Bernd